Montag, 6. Mai 2013

"Welch ein Tag...!" Spektakuläres Ende des Hauptdrehs

Bremen, TEESTUKI Film, "Der Spielmann", Logbucheintrag 05.05.2013, 23.53 Uhr

Welch ein Tag...! Mit diesem Zitat aus dem bekannten Hohenfelde-Abschlusslied will ich einleiten, denn es ist wirklich der passende Ausspruch für den Dreh heute: eine riesige Leistung, wie sie in den Jahren zuvor nicht machbar gewesen wäre, Aufnahmen mit wechselnden Akteuren vor und hinter der Kamera an zahlreichen Sets in drei ganz unterschiedlichen Bereichen der Stadt und ein Ende, das viel dramatischer wurde, als es eigentlich sollte!

Aber der Reihe nach...

Irgendwas nach 14 Uhr

Wir starteten mit leichter Verspätung im Schnoor, unserer ersten Location heute - der Rattenfänger spielt sein Lied für die Ratten, wobei der Irre Eigil ihm begeistert zuhört, und die Rückkehr des Rattenfängers nach Hameln, wo letzte Bürger schnell in die Kirche huschen und er allein ist, um nun Rache an den geizigen Bürgern zu nehmen. Er spielt und die Kinder (und Eigil) folgen ihm.

Zack! Nächste Location - alle zum Bürgerpark!

16 Uhr
Naja...ganz so zackig war es dann leider doch nicht und wiederum mit Verspätung, aber schon mit Plan zum Kriesenmanagement, wurde der Dreh im Park fortgesetzt. Erst nur mit dem Rattenfänger, später mit den Kindern und Eigil.


Lobend zu erwähnen ist an dieser Stelle Paul Kölsch, der zugegen war und geistesgegenwärtig zu Hilfe kam, als der Sack mit den 'Ratten' (Inhalt waren Äste und Laub), den der Rattenfänger eifrig ins Wasser geworfen hatte, abzutreiben drohte. So wurde eine Verschmmutzung unseres geliebten Bürgerparks abgewendet.
Mit allen Jugendlichen, die sich bereit erklärt hatten, am späten Nachmittag mit uns zu drehen, ging es nun zum nächsten Set im Park: Der Berg, hinter dem der Rattenfänger mit ihnen verschwindet, als er sie entführt.
Es war sicher ein malerischer Anblick, wie die Reihe mit dem Rattenfänger (ein wirklich miserabler Flötist), Eigil (der sich bemühte, schön zu trommeln und es doch nicht schaffte, im Takt zu bleiben) und den Kinder (nach Größe sortiert, wie Orgelpfeifen) in einer Reihe an einem hübschen Hügel entlang ziehen und im düsteren Tann verschwinden. Ein fröhlicher Zug.

Nicht ganz so fröhlich blickten die Darsteller drein, als die Regie sie bat, ihre Schuhe auszuziehen und barfuß über den teils doch harten und pieksigen Boden zu laufen. Besonders Eigil bekam die Tannennadeln bei den folgenden Takes zu spüren! Für diesen Film werden Opfer gebracht...

Nach dem Drehschluss für die beteiligten Kinder, standen noch kurze Einzelaufnahmen mit dem Rattenfänger an, doch die Zeit drängte!
Denn nun war das Team doch eine Stunde im Verzug und der Transport in den Hafen stand an - dabei gingen nun die Kameraakkus zur Neige. Was tun?

19.30 Uhr
Mit vereinten Kräften, unerwarteter Verstärkung und dank eines Adapters für den Zigarrettenanzünder, ging es mit zwei Autos - darunter der angemietete silberne VW 9er als Polizeibus - in den Holzhafen.


Dort stand nun die Ergänzung zu den Aufnahmen im Spielhaus an, dem Verlies, in welchem die Kinder gefangen sind.
Die Polizei braust ohne Sirene, aber mit Blaulicht heran und bricht die Luke zum Keller auf, kann die Kinder befreien und will sie in Sicherheit bringen. Da taucht der Entführer - 'Herr Gutmann' - auf und ein Kind erkennt ihn (Danke an Justus, der sich noch zu uns bemühte und den Abend im Hafen klaglos mitmachte, sogar noch mit Kameras assistierte).

Bei der anschließenden Verfolgungsjagd, zu deren Schluss Kommissar Schneider den Entführer mit einem gezielten Faustschlag zu Boden bringt, kam es nun zu den eingangs erwähnten Problemen:

Wir hatten eine Drehgenehmigung von der dort ansässigen Firma eingeholt und uns wegen des Blaulichts, mit dem wir fahren wollten, bei der Polizei angemeldet. Uns wurde bestätigt, das sei alles kein Problem, es hieß sogar spaßhaft, die Kollegen würden unter Umständen vorbei kommen, wenn nichts zu tun sei und sich anschauen, was wir machen.
Das Gebiet, in dem wir drehten ist leider nicht unproblematisch und die Polizei wacht mit Argusaugen darüber. Es erreichte die Polizei ein Anruf, im Hafen sei eine Gruppe zugange, alle mit Skimasken und einer habe eine Schusswaffe - gemeint waren, ganz genau, wir!

Leider hatte die Kommunikation nicht funktioniert und so schauten "die Kollegen" auf etwas unangenehmere Weise vorbei, weil sie uns für akut gefährlich hielten. Mitten in einer Aufnahme der Verfolgungsjagd, schossen aus der Seitenstraße Polizeiwagen, hielten qietschend und Polizisten des Reviers Walle, sowie Beamte der Kriminalpolizei, sprangen heraus. Das Ganze war absolut filmreif und etwas unwirklich für uns.
Crew und Darsteller mussten sich sofort auf den Boden legen und durften sich nicht rühren - auf sofortige Beschwichtigung brachte nicht viel, denn die Beamten waren aufs Äußerste angespannt - sogar ein Polizeischiff tauchte auf - ein richtig großer Einsatz!
Zum Glück ist nichts passiert und die Situation klärte sich auch bald. Am Ende wollten die Beamten sogar noch wissen, ob man auf unseren Kameras ihr Manöver sehen könne - leider nicht hatte es keine Kamera gegebn, die das einfangen konnte. Aber vielleicht stoßen wir noch auf Fragmente, die den dramatischen Moment dokumentieren...ihr werdet es erfahren.

Also zu guter Letzt noch ein (anfangs erschreckendes) Erlebnis, das wir unser Leben lang wohl nicht vergessen werden und das kein Film so nachstellen könnte! An dieser Stelle auch vielen Dank an die freundlichen Beamt_innen der Bremer Polizei und des KDD, die mindestens genauso erschrocken waren wie wir und sich vielmals für das Missverständnis entschuldigten!


Ein wenig weiter gedreht wurde dann noch, mit großer Vorsicht und gegen 23 Uhr beendeten die letzten verbliebenen Crewmitglieder und Darsteller diesen ereignisreichen Tag.
Geschafft, müde, aufgeregt, hungrig....aber froh und äußerst zufrieden mit dem Ergebnis!

Dank all denjenigen, die bereit waren einen oder mehrere Blöcke mit uns zu drehen!
Alle haben im Großen und Ganzen wieder sehr gut mitgemacht, wir haben nicht alles so geschafft, wie geplant, aber das ist eben Amateurfilm.
Der Hauptdreh dieses riesigen Projekts ist mit dem heutigen Tage geschafft - der Hauptdreh für einen Film immensen Umfangs - und das ist eine wirklich großartige Leistung!!


[Bildmaterial zum heutigen Tag wird wohl morgen hinzugefügt]

Wir melden uns bald wieder, wenn wir uns etwas sortiert haben. Themen wahrscheinlich:
- Nachtrag zu letzten Drehblock
- Die Titelmelodie des Films 
- Die "Postproduktion": was kommt jetzt?


Danke für einen unvergesslichen und spannenden Tag und bis bald!

Michi
für TEESTUKI Film

Kommentare:

Schulte hat gesagt…

Mann, mann, mann...da war was los - vor Schreck ist mir der Berliner aus der Hand gefallen! Und Marmelade auf der Hose! Aber...der geht noch!

Dennis R. hat gesagt…

Oh mann ich hätte nicht nach zum turnier nach Limbach Oberfrohna fahren dürfen, dann wär ich auch da gewesen :-( durfte mir dafür die Kirche angucken wo vor jahren das auto ins kirchendach geflogen ist xD